Leben retten üben in Hubbelrath 08.05.2010
Leben retten will geübt sein. Die Gelegenheit dazu bot sich den Helferinnen und Helfern des Solinger Technischen Hilfswerks auf dem Gelände einer ehemaligen Bundeswehrkaserne: Sie besuchten im April und Mai die „Bergische Kaserne“ in Düsseldorf-Hubbelrath.

Bereits im April hatte der Gruppenführer der ersten Bergungsgruppe, Bodo Benstein, die Rettung Verletzter „aus Höhen und Tiefen“ trainieren lassen: Zwölf Angehörige der beiden Bergungsgruppen und des Zugtrupps übten verschiedene Rettungsmethoden anhand von zwei Szenarien; in einem ehemaligen Übungsgebäude der Kaserne mußte eine verletzte Person sowohl aus einem Keller als auch aus einem Obergeschoß „gerettet“. Bei der Rettung aus dem Untergeschoß wurde eine schiefe Ebene eingesetzt: Die Trage, auf der die verletzte Person eingebunden worden war, wurde auf einer schräg gestellten Leiter nach oben gezogen. Durch die räumliche Enge gestaltete sich die „Rettung“ dabei schwerer als erwartet. Aus dem Obergeschoß wurde der Verletzte nach der sogenannten Vier-Mann-Methode in Sicherheit gebracht: Nach dem Motto „Vier Mann vier Ecken“ wurden vier Leinen an den Ecken der Trage befestigt und von vier Helfern durch ein Loch in der Etagendecke herunter gelassen. Obwohl diese Technik an den Kräften zehrt, ging die Rettung zügig vonstatten. In beiden Fällen stellten Angehörige des Zugtrupps und der Bergungsgruppen die Verletztendarsteller.

Während des Mai-Dienstes am zweiten Samstag im Monat wurde die Übung in einem größeren Rahmen wiederholt. Die erste Bergungsgruppe trainierte das „Retten aus Höhen“: sie ließen sich mit Hilfe eines Sicherungsgeschirrs an einen aus Teilen des Einsatz-Gerüstsystems (EGS) konstruierten Ausleger selbst ab. Eine verletzte Person zu retten, die sich unter einer Treppe befand, war Aufgabe der zweiten Bergungsgruppe; die besondere Schwierigkeit bestand hierbei darin, die Verletzte trotz der beengten Verhältnisse und eines mit Schutt gefüllten Kellergeschosses möglichst schonend aus ihrer Lage zu befreien. Sie konstruierte mit Hilfe des EGS auch einen deltaförmigen Ausleger, mit dem Tragen unter anderem aus Fensteröffnungen heraus abgelassen werden können.


Fotografie und Text: Bodo Benstein (Gruppenführer B 1 / THW Solingen)
Bearbeitung: Helmut Wenzel (Öffentlichkeitsarbeit / THW Solingen)

Anmerkungen:
Die Bergungsgruppen sind die Universalisten des THW, sie retten Menschen und Tiere und bergen Sachwerte aus Gefahrenlagen. Sie führen Sicherungsarbeiten an und in Schadenstellen durch, leisten leichte Räumarbeiten und richten Wege und Übergänge her. Sie unterstützen technisch und personell die Fachgruppen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.

Der Zugtrupp (ZTr) führt einen Technischen Zug (TZ). Er koordiniert Einsätze taktisch / technisch und wickelt sie ab. Im Einsatzfall richtet er eine Befehlsstelle ein und betreibt sie für den Technischen Zug sowie ggf. für weitere unterstellte Einheiten / Teileinheiten. Ferner organisiert der Zugtrupp den Personal- und Materialeinsatz sowie die Logistik für die unterstellten Einheiten. Er stellt die Verbindung zur übergeordneten Einsatzleitung (EL) bzw. Führungsstelle (FüSt) sowie zu benachbarten Einheiten / Organisationen her.

Grundlage des Einsatz-Gerüstsystems (EGS) ist ein Gerüstbausystem, wie es auch in der Bauwirtschaft verwendet wird. Bausätze, zusammengestellt nach den Bedürfnissen des Technischen Hilfswerks, eröffnen den Ortsverbänden des THW völlig neue Möglichkeiten bei Rettungs- und Bergearbeiten ergeben. Durch seinen modularen Aufbau kann es vorzüglich auf die besonderen Erfordernisse jedes denkbaren Einsatzszenarios zugeschnitten werden. Die Vorteile des Einsatzgerüstsystems liegen neben seinem vergleichsweise geringen Gewicht vor allem in seiner enormen Vielseitigkeit. Neben seiner Kernaufgabe, Mittel zu sein, um einsturzgefährdete Gebäude abzustützen ist es auch für zahlreiche andere Aufgaben im Bergungs- und Rettungswesen nutzbar: Vom Stegebau in Hochwassergebieten über Rettungskonstruktionen wie etwa den Delta-Ausleger oder den Bau von Dekontaminationsschleusen für Fahrzeuge spannt sich der Bogen seiner Einsatzmöglichkeiten. Entwickelt für den Einsatz in der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk wurde das handelsübliche System von den THW-Ortsverbänden Berchtesgadener Land und Remscheid.