THW Solingen beim Chemie-Großbrand in Köln-Worringen 18.03.2008






Bei dem Großbrand in einem Chemiewerk waren in der Nacht zum Dienstag auch Helfer des Technischen Hilfswerks aus Solingen im Einsatz. Die Einsatzleitung hatte den nordrhein-westfälischen Landesverband des THW darum gebeten, am Unglücksort die Versorgung mit Löschwasser sicherzustellen. Das Technische Hilfswerk entsandte deshalb fünf Fachgruppen Wasserschaden / Pumpen aus verschiedenen Ortsverbänden an die Brandstelle.

Zusammen mit ihren Kameraden sollten die Solinger Helfer große Mengen Rheinwasser an den drei Kilometer entfernten Brandherd schaffen. Die Hochleistungspumpen der Fachgruppen wurden zu diesem Zweck „in Reihe geschaltet“, so daß das Wasser quasi von einer Pumpe an die nächste „weitergereicht“ werden konnte (so genannter Tandembetrieb). Dabei war sowohl zwischen den Pumpen und auch auf dem letzten Stück bis zur Übergabe an die Feuerwehr eine jeweils 600 Meter lange Förderstrecke zu errichten. Die vom THW eingesetzten Pumpen vom Typ „Börger“ bzw. „Hannibal“ sind für diese Aufgabe besonders prädestiniert: Sie können Wasser zwar nicht — wie Feuerwehrpumpen — mit hohem Druck über große Höhen hinweg transportieren, haben dafür aber eine außergewöhnliche Förderleistung von bis zu 15.000 Liter pro Minute. Mit weiteren, dem Wasser zugesetzten Stoffen wollte die Feuerwehr einen Schaumteppich erzeugen, mit dem die Flammen in einen brennenden Tank mit Acrylnitril erstickt werden sollten. Bevor jedoch die Schlauchleitung vollends verlegt war, hatte die Feuerwehr den Brand des Tanks gegen 23.50 Uhr — und damit schneller als erwartet — unter Kontrolle. Einer zusätzlichen Löschwasserversorgung bedurfte es daher nicht mehr.

Neben den 600 Feuerwehrleuten, die den Brand bekämpften, waren ebenso viele Hilfskräfte vor Ort. Das Technische Hilfswerk unterstützte die Feuerwehren mit insgesamt 11 Ortsverbänden; sie kamen aus den Geschäftsführerbereichen Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach. Die THW-Leitung, die Dienststelle des THW-Landesbeauftragten und die Geschäftsstellen selbst waren in die Maßnahmen koordinierend eingebunden. Auf Seiten des Solinger Technischen Hilfswerks waren vierzehn Helfer im Einsatz; sie wurden von Matthias Großmann geleitet, dem Gruppenführer der Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen.

Die Alarmierung der ehrenamtlichen Helfer erfolgte am Montagabend um 21.39 Uhr; bereits kurz nach 22.00 Uhr waren die Helfer mit Sondersignal (Blaulicht und Martinshorn) unterwegs nach Köln-Worringen. Sie kehrten erst Dienstag in den frühen Morgenstunden von ihrem Einsatz zurück.

Der Großbrand wurde am Montagnachmittag gegen 14.30 Uhr in einem Chemiepark im Stadtteil Worringen im Norden von Köln ausgelöst. Ursache war eine Undichtigkeit an einer Gasrohrleitung, die die Ineos Köln GmbH, ein petrochemisches Tochterunternehmen des Erdölkonzerns BP, mit Ethylen versorgt. Das ausströmende Ethylen entzündete sich und setzte mit einer Stichflamme von bis zu 15 Meter Höhe den benachbarten, 3000 m3 fassenden Vorratstank mit Acrylnitril in Brand. Während das Feuer an der Ethylen-Rohrleitung bereits gegen 19.00 Uhr gelöscht war, hielt der Brand des Acrylnitriltanks die Feuerwehren weiter in Atem.


Text: Helmut Wenzel
Fotos: THW Solingen (Archiv)
(Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit / THW Solingen)


Anmerkungen:
  • Die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen bekämpft in erster Linie Überflutungen und Überschwemmungen. Mit verschiedenen Pumpentypen kann sie zum Beispiel eindringendes Wasser aus Gebäuden abpumpen. Da sie über große Distanzen Wasserleitungen errichten kann, wurde sie in Köln eingesetzt, um Löschwasser zu fördern.

  • Acrylnitril (Acrylsäurenitril, ACN) ist eine leichtentzündliche, klare Flüssigkeit mit stechendem Geruch, die sowohl über Mund und Atmung als auch durch Hautkontakt in den Körper gelangen kann. Dort ruft sie unter anderem Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen hervor, an den Augen können Rötungen und Sehstörungen auftreten. ACN ist giftig, stark wassergefährend und steht im Verdacht, Krebs auszulösen.

  • Ethylen – auch Ethen genannt — ist ein Gas und gehört zu den einfachsten ungesättigten Kohlenwasserstoffen. Es riecht leicht süßlich und unangenehm, ist hochentzündlich und verbrennt leicht rußend mit leuchtender Flamme. Drei Viertel der produzierten Menge werden dazu benutzt, um Kunststoffe herzustellen; darüber hinaus dient es in der Lebensmittelindustrie der Behandlung unreifer Früchte und war lange Zeit Bestandteil von Narkosegasen in der operativen Medizin.